Buchmesse 2013 – Nachlese

Etwa 7.300 Aussteller und 275.342 Besucher (davon 142.921 Fachbesucher) – das ist die offizielle Bilanz der diesjährigen Internationalen Buchmesse in Frankfurt. Wer noch nicht durch die endlosen Reihen von Verlagsständen geschlendert ist, kann sich diese immense Flut an Eindrücken kaum vorstellen.  Für mich steht wie jedes Jahr vor allem der Kontakt zu meinen Kunden und Kollegen, zu Verlagen und anderen Dienstleistern im Vordergrund des Messebesuchs. Aber auch einige interessante Veranstaltungen ließen sich ausfindig machen.

BuWi_Einladung1In diesem Jahr hatte ich die große Ehre als Gast an einer Podiumsdiskussion des Instituts für Buchwissenschaften der LMU München teilzunehmen. Gemeinsam mit zwei KollegInnen standen wir den Studierenden und Auszubildenden zu ihren Fragen rund um den Einstieg in die Branche Rede und Antwort. Immer wieder begeistert mich das große Engagement und Interesse des Branchennachwuchses und es war mit eine Freude, daran teilhaben zu dürfen.

Neben Fragen der Ausbildung lassen sich Digitale Publikationsthemen  von der Messe nicht mehr wegdenken. Im Bereich wissenschaftlicher Publikationen sind dabei die Rollen der beteiligten Protagonisten in Bewegung, wenn nicht gar in eine Schieflage geraten. Die klassische Aufgabenteilung zwischen Autoren (Produzenten von Inhalten), Verlagen (Verarbeiter und Verbreiter), Bibliotheken (Archivare) und Forschungsförderung (Finanziers) scheint nahezu obsolet geworden. Die Beteiligten müssen sich angesichts der gestiegenen Publikationsflut und des  enormen Investitionsbedarfs in digitale Technologien immer wieder neu umeinander bemühen, miteinander ringen und sich aufeinander/miteinander abstimmen. Ausgesprochen interessant war in diesem Zusammenhang eine Diskussionsrunde, bei der die Auswirkungen des Konzentrationsprozesses im Verlagswesen im Fokus stand.

Wiss.Verlage_klein

Während sich die Vertreter der Professorenschaft, der DGF und der Bibliotheken der akuten Problemlage und Notwendigkeit von Kooperation angesichts der künftigen Herausforderungen bewusst waren, hat mich die  distanziert-konfrontative, teils fast “kampflustig-süffisante” Haltung der beteiligten Verlage gelinde gesagt: schockiert.

Als Wissenschaftslektorin und Mittlerin zwischen Verlagswesen und Wissenschaft sind mir beide Welten seit vielen Jahren vertraut und deren unterschiedliche Kulturen bewusst. Eines bleibt völlig außer Frage: Verlage sind Wirtschaftsunternehmen, die auf den Verkauf ihrer Dienstleistungen und Produkte angewiesen sind. Soweit, so gut. Die Veranstaltung warf bei mir allerdings die Frage auf, ob Wissenschaftsverlage ihren Namen ausschließlich deshalb tragen, weil sie auf Wissenschaftsbudgets schielen, d.h. die Gelder der Bibliotheken, der DFG, der Fachgesellschaften oder Institute im Blick haben?

Das wäre in etwa so, als wenn Kinderbuchverlage sich künftig auf das Taschengeld-Budget dieser Republik fokussieren und sich den pädagogischen Notwendigkeiten ihrer Zielgruppe vollkommen entziehen. Nach meinem Verständnis geht mit wissenschaftlichem Verlegen unabdingbar auch ein Interesse an und ein Fokus auf die Zielgruppe “Forschung und Lehre” einher. Wissenschaftsverlage sollten sich auch als Teil und Partner des Wissenschaftsbetriebes verstehen, d.h. sich für die Themen, Inhalte, Problemlagen ihrer Klientel interessieren, die Vorstellungen und Ziele der akademischen Welt anerkennen, deren Werte und Denkweisen respektieren und sich immer wieder als Dienstleister und Kooperationspartner anbieten. Oder habe ich da möglicherweise etwas falsch verstanden?

 

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