Wissenschaftsblog – oder: ein Blog, der Wissen schafft

Mit Überschriften wie Der Prostatakrebs, meine Gene und Ich, Eizellenproduziererinnen-Tag! Oder Treue ist wetterabhängig, zumindest bei Vögeln machen Blogger auf ihren Wissenschaftsblogs Lust, sich auch als Laie mit wissenschaftlichen Themen zu beschäftigen.

WissenschaftsblogBlogs aller Art erfreuen sich in der Zeit von Laptop, Tablet, Smartphone und Co großer Beliebtheit. Der wunderbaren Bloggerwelt im World Wide Web sind quasi keine Grenzen gesetzt, es gibt kein Thema, zu dem es keinen Blog gibt. Jeder kann einen Blog erstellen und seine Gedanken, Erfahrungen und Erkenntnisse in die Welt tragen. Aber nicht jeder Blogger findet jemanden, der das dann auch lesen möchte. Die Beliebtheit des Blogs lässt sich messen, beispielsweise an steigenden Besucherzahlen; am besten wird der Blog gleich abonniert. Leser wollen informiert und unterhalten werden, sonst wandern sie zu einem anderen Blog ab, die Auswahl ist schließlich groß.

In der Verlagswelt ist ein Leben ohne Blogger kaum noch vorstellbar. Aus Verlagssicht – und nur aus dieser Sicht – kenne ich bisher: Buch- und Foodblogs, ab und an auch noch ein DIY-Blog, auf dem Leute selbstgemachte Dinge präsentieren und Anleitungen dafür bereitstellen. Wissenschaftsblogs waren mir bis dato fremd, aber genau über sie werde ich nun berichten. „Schreibe einen Blogeintrag über: Wissenschaftsblogs” lautet die Aufgabenstellung, die uns im Seminar gestellt wurde. Challenge accepted!

Wissenschaftsblogs – Wie der Name schon sagt, stehen wissenschaftliche Themen im Fokus. In der Regel fokussiert sich ein Blog auf eine Disziplin, berichtet somit über Dinge aus dem naturwissenschaftlichen, medizinischen, kulturellen, geisteswissenschaftlichen, sozialwissenschaftlichen, politischen oder technischen Bereich. BlogautorInnen sind meist StudentInnen, DozentInnen, WissenschaftlerInnen, AutorInnen oder LektorInnen des jeweiligen Wissenschaftsgebiets, also fachliche ExpertInnen. Blogs können von Einzelpersonen oder kommerziell, von Instituten finanziert oder betrieben werden. Beispiel für die zweiten Kategorie sind Planckton, der Wissenschaftsblog der FAZ, der IAO-Blog des Fraunhofer-Instituts oder adhibeo, der Blog der Hochschule Fresenius.

Neben der fachlichen Kompetenz gibt es noch eine wichtiges Kriterium, das Wissenschaftsblogs von anderen Blogs wie Reise-, Buch- oder Foodblogs unterscheiden: sie informieren über Sachverhalte. Internetnutzer wollen, dass die gewünschten Informationen möglichst schnell und kompakt abrufbar sind. Die oftmals eher trockenen Fakten muss der Autor/die Autorin des Beitrags klar und verständlich formulieren können und sie müssen in einen kurzen Blogeintrag passen, nicht in ein Fachbuch. Während KollegInnen mit Fachbegriffen umgehen können, müssen komplexe Themen für Laien einfacher erklärt und verständlich dargestellt werden. Es gibt sowohl Blogs, die Sachverhalte humorvoll vermitteln als auch Blogs, die auf die rein Sachinformation setzen. Entscheidend ist, wen man mit seinem Blog ansprechen möchte: die breite Öffentlichkeit, also Laien, oder Experten.

Die Wahl als LeserIn, welche Wissensvermittlung mir eher zusagt, ist davon abhängig, ob man den Text liest, weil man sich informieren will oder ob man sich informieren muss: Ist beispielsweise das Sexualverhalten von Vögeln, um das es in einem der oben genannten Blogeinträge geht, wichtig für mein Studium/meine Arbeit? Muss ich etwas darüber wissen? Habe ich explizit danach gesucht? Will ich mich in das Thema einlesen und habe deshalb einen Blog aufgesucht, der es mir in vereinfachter Form erklärt? Gefällt mir der Blog und ich lese alle neuen Artikel, egal um was es geht? Oder bin ich nur zufällig darauf gestoßen und fand die Überschrift interessant?

Mit Überschriften wie Der Prostatakrebs, meine Gene und IchEizellenproduziererinnen-Tag! Oder Treue ist wetterabhängig, zumindest bei Vögeln machen Blogger auf ihren Wissenschaftsblogs Lust, sich auch als Laie mit wissenschaftlichen Themen zu beschäftigen. Um bei der Vielzahl der Wissenschaftsblogs nicht den Überblick zu verlieren, gibt es Internetseiten wie die Bloggerei.de, auf denen Wissenschaftsblogs aufgelistet sind, oder auch Seiten wie scienceblogs.de, auf denen die Blogs den jeweiligen Wissenschaftsdisziplinen zugeordnet sind. Dort kann man – wenn man sich z.B. für Medizin interessiert – auf den Reiter Medizin klicken und findet dort Links zu Blogs, die sich mit diesem Fachbereich beschäftigen.

Um die Arbeit der Blogger zu würdigen, wurde außerdem von Wissenschaft kommuniziert der Preis für den Wissenschaftsblog des Jahres ins Leben gerufen, der seit 2011 vergeben wird. Gewählt wird aus einer Liste von 30 Blogs, erstellt aus den Top 25 des Rankings Top Blogs sowie eigenen Vorschlägen und Tipps von KollegInnen. Nominiert werden kann prinzipiell jeder Wissenschaftsblog (neue Vorschläge werden im Folgejahr berücksichtigt). Bei der Abstimmung kann jeder mitmachen. Die vorgeschlagenen Blogs und das Wahlverfahren werden allerdings von vielen Wissenschaftsblogs kritisch betrachtet, einige lehnen eine Teilnahme ab. Kern der Diskussion ist, ob sich jeder Wissenschaftsblog überhaupt so nennen darf.

Nach längerem Aufenthalt in der Welt der Wissenschaftsblogs muss ich zugeben, dass ich – auch wenn ich mich nicht gerade als wissenschaftlich interessiert bezeichnen würde – doch auch Gefallen an vielen Artikeln gefunden habe, die mich mit kreativen Überschriften zum weiterlesen animiert haben. Für mich als Laie waren vor allem diese mit viel Witz erklärten Sachverhalte der richtige Einstieg in die Welt der Wissenschaft. Und mal ehrlich, wer kann bei Überschriften wie Gender Shift: Heute Mann, morgen Frau, übermorgen eine Teetasse schon wiederstehen?

Autorin

Elisa Daum studiert nach einer Ausbildung zur Medienkauffrau im Kinder- und Jugendbuchverlag Loewe in Bindlach Buchwissenschaft an der LMU München. Während des Studiums arbeitete sie zunächst bei Droemer Knaur und derzeit beim Heyne Verlag.
Kontakt: e.daum@campus.lmu.de

Dieser Beitrag entstand im SS 2015 im Rahmen des Blockseminars “Spezialbuchmärkte: Der Wissenschaftsverlag” am Institut für Buchwissenschaften der LMU München unter Leitung von Christiane Engel-Haas. 

 

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