Frankfurter Buchmesse 2014

Ganz persönliche Buchmesse-Splitter

Jedes Jahr aufs Neue trifft sich im Herbst die Branche in den Frankfurter Messehallen – für die einen eine Nabelschau der Eitelkeiten frei nach dem Motto “sehen und gesehen werden” – für andere eine Art Familientreffen, mit mehr oder minder angenehmen Begegnungen und Gesprächen. Auf jeden Fall bietet die Messe für alle Besucher – ob Fachbesucher oder Privat – eine wunderbare Gelegenheit, sich über die Vielfalt der unterschiedlichsten Publikationen und die aktuellen Entwicklungen der Buch- und Verlagsbranche zu informieren. Für Selbstständige und Freiberufler steht darüber hinaus der Austausch mit Kollegen, die Anbahnung neuer Kontakte und Projekte, die Auftragsakquise und die Kundenpflege im Fokus.

In diesem Jahr bin ich tatsächlich zum 20. (!) Mal mit dabei und freue mich immer wieder darauf. Neben einigen Kundenterminen hatte ich Zeit, mich auf die Suche nach “meinen” Neuerscheinungen zu machen. Marcel Reich-Ranicki prägte den wunderbaren Spruch:

Lektoren-Zitat

Fach- und Wissenschaftspublikationen

Den Ausdruck “Schützlinge” finde ich besonders treffend und er gilt nicht nur für belletristische Werke. Als Fachlektorin schätze ich jede einzelne “meiner” Publikationen. Es ist immer wieder ein erhebendes Gefühl, wenn ein Titel frisch aus der Druckerei kommt, ich ihn zum ersten Mal in Händen halte, der Duft von Druckerschwärze mir entgegen strömt und die Seiten sich beim ersten Durchblättern erst noch leise raschelnd entfalten. Trotz meiner hohen Affinität und Begeisterung für digitale Publikationen – dieses Erlebnis bieten tatsächlich nur gedruckte Bücher 🙂

Janszky

AZ-Modelle

Mit diebischer Freude stöbere ich in den Messehallen und entdecke hier und dort das eine oder andere “Kind”, an dessen “Schwangerschaft” und “Geburt” ich in den letzten Monaten mit beteiligt war. Welch ein erhebendes Erlebnis muss dies erst für den Autor sein!

Am Hotspot Professional and Scientific Information (Halle 4.2) gibt es eine Diskussion zum Thema “Patron Driven Acquisition” – ein Beschaffungsmodell für (wissenschaftliche) Bibliotheken. Hier stehen sich die teils konfligierenden Interessen von Wissenschaftlern (freier Zugang zu Informationen), Bibliotheken (ressourcenschonende Beschaffung / Archivierung) und Verlagen (ökonomisch vertretbare Geschäftsmodelle) gegenüber. Ich nehme mir vor, den Begriff als Eintrag für mein Publikationslexikon vorzusehen.

Begleitprogramm und Publikumsmagnete

Messeimpressionen am Rande

Doch was wäre die Buchmesse ohne publikumswirksame Begleitprogramme und die Prominenz? In diesem Jahr prangt in der Agora ein überdimensionaler Vergleich von Bestsellern und Blockbustern. Das finde ich ausgesprochen gelungen!

Beeindruckt hat mich außerdem in Halle 3 der Stand des Gutenberg-Museums in Mainz, das neben den Badeentchen für Leseratten eine Live-Vorführung einer historischen Druckpresse im mittelalterlichen Originalkostüm präsentiert. Hier ist im Übrigen weit mehr Andrang als im Bereich elektronisches Publizieren – zumindest am Donnerstag nachmittag.

Um den jugendlichen Nachwuchs muss sich die Branche keinerlei Sorgen machen – zumindest nicht, solange Popstars (auch) Bücher schreiben (oder schreiben lassen). Hunderte von Teenagern bevölkern die Agora, als Rapper Cro dort auftritt und im Anschluss sein Buch signiert.

Ja, die Messe ist tatsächlich immer wieder einen Besuch wert. Und wer es dieses Jahr nicht geschafft hat, kann sich schon einmal den neuen Termin vormerken: 14.-18. Oktober 2015, der Ehrengast wird dann Indonesien sein. Bis nächstes Jahr in Frankfurt! Sehen wir uns dort?

 

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